AG Landhege

Die Rekonstruktion der Landhege bei Bellersdorf

 

Wie schon vorab beschrieben. arbeitet die AG Landhege rund um Arnold Henrich auf einem Teilstück in der Nähe des Bellersdorfer Wasser- häuschen an einer Rekonstruktion der Landhege auf ca. 30m x 30m. Diese Schaunanlage wird nach und nach errichtet und es dauert ca. 10 Jahre, bis das Gebück die gewünschte Form erreicht hat.

 

Startschuß war die wissenschaftliche Ausgrabung durch den Archäologen C. Röder, Lich, an dieser Stelle im August 2011, siehe unter Fotoalbum. Mit dabei waren neben dem Geophysiker und Bergvermessungs-Fachmann G. Mathes und Team auch die Aktiven der AG Landhege, Bellersdorf, u.a. F. Henrich, Revierförster J. Thomaka, C. Görzel, K.-P. Schäfer und allen voran natürlich Arnold Henrich. Unterstützt wurden die "Ausgräber"  von G. Decker, Gasthaus Decker, der einen leckeren "Schanzeneintopf" zur Stärkung bereit stellte. Allen Beteiligten an dieser Stelle nochmals vielen Dank!

 

Nun wird schon langsam immer mehr sichtbar, was man dort in Zukunft besichtigen kann. Geplant sind weiterhin mehere Schautafeln, die den Besuchern beschreiben, was es mit der Landhege früher auf sich hatte. Möglich sind natürlich auch kostenlose Führungen durch den Geopark-Lotsen Klaus-Peter Schäfer

 

Diese neue Schauanlage rund um die Landhege ist einmalig und stellt eindrucksvoll dar, welche Grenzbefestigungen im Zeitalter der Kleinstaaterei in Deutschland schon im Mittelalter gezogen wurden.

 

 

Grabungsbericht v. C. Röder, Lich
Bericht über die Ausgrabung vom 27.08.11 an
der Landhege Gemarkung Mittenaar/ Hohenahr bei Bellersdorf.

Leiter der Ausgrabung war der Archäologe C. Röder, Lich
Grabungsbericht_Landheege_Abgabefassung [...]
PDF-Dokument [1.3 MB]

 

„Alte Landhege in der Hörre“

  

Verlauf



Die alte Grenze zwischen Nassau und Solms verlief im Bereich der Hörre vom
„Dreiländereck“ an der Gellenbachmühle bei Bischoffen über den Bergkamm Richtung
Westen durch die Hörre bis an die Dill nach Edingen (etwa unterhalb der
heutigen Autobahnbrücke), im weiteren Verlauf hinauf nach Greifenstein und von
dort weiter nach Süden Richtung Braunfels.

 

Funktion



Landhegen sind u.a. aus dem Mittelalter bekannt und dienten zum einen dem Schutz der Gebiete untereinander gegen umherziehendes Kriegsvolk, aber auch der Kontrolle
(auch Zollgrenzen). Es waren undurchdringliche Hecken, die ein Durchkommen nur
an bestimmten Stellen zuließen. So konnte man die Bewegungen von Truppen und
Waren besser kontrollieren.
Unsere Landhege in der Hörre bestand aus einer bis zu ca. 40m breiten Hecke und jeweils einem Wall und Grabensystem auf der Nord- und auf der Südseite der Hecke.

 

Die Hecke, das sog. Gebück wurde gehegt und gepflegt. Man beschnitt die Hainbuchen und bog (bückte) deren Äste nach unten in die Erde, wo diese neu ausschlugen. Man verwob die Äste ineinander und pflanze noch Dornengebüsch hinzu. Alte eingegangene Bäume wurden herausgeschnitten und Neue angepflanzt. So sollte diese Hecke immer in einem frischen Zustand gehalten werden und dazu zwingen, die vorgesehenen Durchlässe zu nutzen.

 

Als die Hecke (das sog. Gebück) noch aktiv gepflegt wurde, bestanden wohl nur sehr wenige Durchlässe. So wird von einem Tor oberhalb von Bicken berichten, das verschlossen war und man den Schlüssel erst in Bicken holen musste um passieren zu können. Dieses Tor war wohl zwischen den sog. Bicker Schanzen, und kontrollierte die Straße aus dem Schelderwald Richtung Hohensolms –Gießen. Durch dieses Tor betrat man also Hohensolmser Land.



Ein weiteres Tor war wohl bei Kölschhausen, an der alten Poststraße. Diese Straße verlief parallel zum Dilltal nach Süden in Richtung Wetzlar-Frankfurt. Hier betrat man Solms-Braunfelser Land. Die übrigen Durchlässe durch die Landhege müssen in späteren Jahren entstanden sein, als das Gebück (die Hecke) bereits seine trennende Funktion eingebüsst hatte.

 

Den Ursprung dieser Grenze wird schwerlich zu ermitteln sein. Handelt es sich hier um eine mittelalterliche Landehege, wie es Viele im gesamten Reichsgebiet gab, oder reicht ihr Ursprung noch weiter zurück? Auch ob und inwieweit die Bicker Schanzen mit der Landhege in Verbindung standen ist fraglich. Zumindest gibt es Wälle und Gräben die die Schanzen mit der Landhege verbinden. Hier wird noch Einiges zu erforschen sein. 

 

Territorien



Auch unsere Grenze in der Hörre blickt auf eine sehr wechselhafte Geschichte zurück.

Über viele Jahrhunderte trennte sie nassauisches Gebiet von solmsischen Gebieten im
Süden.
In Folge der napoleonischen Zeit wurden die Solmser Territorien von Preußen
einverleibt und aus den nassauischen Landesteilen entstand das Herzogthum Nassau,

bis 1866 auch dieser Teil Nassaus von Preussen annektiert wurde.



Ab 1866 waren beide Seiten der Grenze preußisch. Unsere Grenze wurde von einer
Landes zu einer Kreisgrenze degradiert, in der Hörre stießen nun die KreiseDillenburg

und Wetzlar aneinander.

 

Grenzentwicklung

 

Im Laufe ihres Bestehens gab es immer wieder Streit um Besitz und Zuständigkeit
für Pflege und Instandhaltungsarbeiten. Noch 1780 wurden die Aartaldörfer mit
Herbornseelbach und Sinn aufgefordert umfangreiche Hege und Schanzarbeiten an
der Landhege im Frohndienst durchzuführen, wogegen sich die Gemeinden sehr zur
Wehr setzten.

 

Nach und nach verlor die Hecke jedoch ihre Schutzfunktion für die angrenzenden Herrschaften und so wollte Solms-Hohensolms um 1806 ihren Teil der Hecke gar abholzen lassen. Nun war man gezwungen, diesen Grenzstreifen genauestens aufzuteilen und man begann die Hecke der Länge nach in der Mitte mit Grenzsteinen zu versehen. Aber auch dieser Versuch einer Einigung war nicht von Erfolg gekrönt.

 

Als im Süden der Hörre die Gebiete von Solms-Hohensolms und Solms-Braunfels 1815
preussisch wurden, suchte man eine dauerhafte Lösung des Problems. Die Landhege wurde aufgelöst und aufgeteilt. Aus dem flächenhaften - wurde ein linienhafter Grenzverlauf.

 

Die Grenzlinie springt heute im Bereich der Hörre mehrfach von nördlichen- ,nassauische Grenzgraben zum südlichen-, solmsischen Grenzgraben und zurück. Der Grenzverlauf wurde so 1833 festgelegt und ausgesteint. Noch heute stehen die großen nassauisch-preussischen Grenzsteine an Ihrem Platz in der Hörre.

 

Die AG „Landhege in der Hörre“ bemüht sich um den Erhalt dieses Denkmals
unserer Landesgeschichte.

 

 

Ein mittelfristiges Ziel ist es, durch Grabungen und Vermessung, gemeinsam mit dem

Landesdenkmalamt die Ausmaße des Wall-Grabensystems zu erforschen. Wir hoffen,
dass die Ergebnisse dazu führen, dass evtl. in Zukunft an dieser Stelle gemeinsam

mit HessenForst ein kurzer anschaulicher Abschnitt der Landhege rekonstruiert werden kann.

 

Der Name “Hörre“



Im Übrigen ist es sprachwissenschaftlich durchaus möglich, dass der Ursprung der
Bezeichnung Hörre auf die Landhege zurückzuführen ist.



In alten Urkunden, u.a. auch aus der Dernbacher Zeit des 14. Jahrhunderts wird uns
hierfür immer wieder die Bezeichnung “Hirde“ oder “Horde“ überliefert. Der Wortursprung könnte somit im germanischen hurdis (geflochtener Bauteil) > ahd. hurt (Hürde, Gitter) >nhd. Hürde (Gatter, Hindernis) liegen.

 

Damit würde also der Begriff Hörre nichts anderes bedeuten als Hürde oder Hindernis.
Was liegt hier also näher, als die direkt Verbindung zur Landhege herzustellen.

 

Christian Görzel

Herborn-Seelbach

 

 

Ein Download dieses Textes mit zahlreichen Zeichnungen und Skizzen steht hier bereit:



Skizze Aufbau Rekonstruktion Landhege