Die alten Schanzen

Die "Alten Schanzen" in der Hörre gehören auch noch im 21. Jh. zu den großen Rätseln.

 

Ob sie Befestigungsanlagen im 7-jährigen Krieg waren, Kultstätten der Germanen oder wie einige annehmen ein Bauwerk der Kelten, läßt sich momentan weder be- noch widerlegen. Alle bisherigen Erläuterungen dazu, sind rein hypothetischer Art und Thesen, die auf den Beobachtungen, Auswertungen und Interpretationen der jeweiligen Autoren zurückgehen.

 

Klarheit würde wahrscheinlich nur eine wissenschaftliche Ausgrabung ergeben.

 

Die Schanzen sind wahrscheinlich älter als die Annahme, dass sie aus dem Mittelalter stammen könnten. Vielleicht stammen sie aus der Keltenzeit, was auch Form und Art des Bauwerks unterstützen.

 

Nach den großen Kelten-Funden am Dünsberg wäre eine Hypothese, dass dies eine vorgelagerte Stellung der Kelten sein könnte. Oft waren die Berge zu dieser Zeit nicht bewaldet und von den Schanzen aus wäre dann eine direkte Sicht auf das Oppidum Dünsberg möglich gewesen.

 

Es gibt Nachweise bei anderen Schanzen in Süddeutschland, dass solche Schanzen Gehöfte waren, die von Kelten bewohnt wurden. Auch bei Doppelschanzen, wie z.B. den Schanzen von Nordheim.

 

Dagegen spricht allerdings, dass bei der großen Schanze an keiner Seite eine Wallunterbrechung sichtbar ist, die als Eingang/ Einfahrt hätte dienen können.

 

Vielleicht war es zusätzlich eine vorgeschobene "Grenz- und Wachstation" des Oppidums auf dem Dünsberg, um Überfällen von Germanenstämmen, vorzubeugen.

 

Vielleicht waren die Schanzen auch geweihte Haine für die verschiedenen Keltenstämme, die Am Dünsberg und am Heunsein ansässig waren und man dort Kulthandlungen vorgenommen. Die Schanzen liegen im sog. "Heiligen Wald" (siehe Skizze unten), dessen Namensgebung und Bedeutung im Zusammenhang mit diesem Namen auch bisher nicht bekannt sind und so dann zu deuten wäre.

 

Als Anlage eine alte Skizze der "Alten Schanzen" in der Hörre des Heimatforschers Otto Schäfer.

 

Die obige Zeichnung ist aber leider ungenau und nicht ganz korrekt, was die beiden verlängerten "Wallarme" angeht, die in der Realität zumindest bei der großen Schanze nicht direkt an diese heran reicht, sondern leicht versetzt auf diese zu läuft und auf Höhe der südöstlichen Ecke beginnt, um auf Höhe der Landhege zu enden.

 

Dieser einzelne Wall, der nicht mit der größeren, südlichen Schanze verbunden ist, ist außerdem erheblich höher als die Wälle der Schanzen. Von Süwesten kommend ist dieser Wall nur relativ leicht erhöht und nur von Nordosten kommend, also "innen" wenn man die Schanzen als Orientierungspunkt nimmt,  ist ein Graben deutlich erkennbar und der Wall hat eine Höhe von ca. zwei Meter. Die gleiche Struktur weist der zweite "Wallarm" der kleineren Schanze auf. Leider ist dieser durch einen Weg an seinem Startpunkt an der Schanze zerstört, so dass man den Anfang des Walls so nicht realistisch festlegen kann. Auch er ist in gleicher Form aufgebaut, d.h. hier ist der Graben nun nach außen, wenn man die Schanze wieder als Orientierungspunkt nimmt. 

 

Auffallend ist auch, dass diese Wallarme an ihren Endpunkten an der Landhege nicht die gleiche  Höhe aufweisen, wie der Wall der Hege, sondern erheblich höher sind. Sehr deutlich zu erkennen bei dem "Wallarm" der kleinen Schanze. Hier kommt die Frage auf, warum dies so ist und man nicht ein in sich schließendes gleichförmiges Viereck gebildet hat. So lädt der Wall der Landhege dazu ein, auf diese Wallarme hinaufzugehen. Wo genau der andere Arm endet, läßt sich nicht mehr 100% rekonstruieren, da hier weder die Landhege noch der Wall in einem einigermaßen intakten Zustand sind. Speziell der Wallarm ist durch den Bau der Depotstraße in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zerstört worden.

 

Eine militärische Nutzung der Schanzen machte bei dieser Art der Wallarme keinen Sinn, denn dann müssten Wallerhöhung und Graben des Armes der größeren Schanze zur anderen Seite zwecks besserer Verteidung zeigen.

 

Ich schließe mich auch anderen Verfassern zu den Schanzen an, dass die beiden Schanzen und die nicht an die Schanzen direkt anschließenen Wallarme aus späterer Zeit stammen können, als die Schanzen selbst im Laufe der Zeit ggf. von verschiedenen Nutzern an den jeweiligen Zweck angepasst wurden. 

 

Vielleicht muss man auch in Betracht ziehen, dass die beiden Schanzen an sich nicht zur gleichen Zeit, sondern eine Schanze, z.B. die kleinere, die deutlich schlechter erhalten ist, schon früher erbaut wurde. Speziell die größere Schanze könnte später bzw. auch auf eine bereits vorhandene Wallanlage gebaut worden sein. Geht man davon aus, dass die Verlängerungsarme zur Landhege hin und auch der Verbindungswall der beiden Schanzen erst nachträglich errichtet wurden, kann es Sinn machen, auch mal Überlegungen anzustellen, dass anfangs nur eine der beiden Schanzen erbaut wurde.

 

In späterer Zeit war die gesamte Anlage wohl eine Grenz- bzw. Zollstelle, um den Warenverkehr auf dem "Rennweg" zur Landesgrenze, also zur Landhege hin, zu kontrollieren, da die alten Fahrspuren von beiden Seiten hin direkt zur Schanzenanlage hinlaufen und der Raum zwischen Landhege, den beiden Wallarmen und den Schanzen viel Platz für mehrere Fuhrwerke geboten haben. Der Rennweg, vom Hauptkamm der Hörre kommend, lief auch eine Zeit parallel zur Landhege auf die Schanzen zu, um dann erst die Grenze an der Landhege im Bereich der Schanzen zu überqueren.

 

Selbst den Namen Hörre kann man mit ein wenig Phantasie aus dem Germanischen in Bezug auf die Schanzen ableiten. Das germanische Wort "hoka (höka)" bedeutet Ecke oder Winkel und es wäre ja durchaus möglich, dass die Germanen dieses Gebiet anhand der Schanzen so benannten.

 

Fund Ampelanhänger aus Latenezeit, gefunden bei den "Alten Schanzen" in der Nähe von Bellersdorf. Quelle Hessen Archäologie, S. 90.

Der Fund des Ampelanhängers, der durch Vergleiche mit ähnlichen Anhängern in die Zeit des Keltenoppidums am Dünsberg datiert wird, könnte ein Hinweis auf die Entstehung der Schanzen sein. Somit würden wir ca. 2.000 Jahre zurückgehen müssen und die Schanzen als keltische Anlage datieren können. Aber dies ist zum jetzigen Zeitpunkt eine reine Vermutung und man kann dies auf Grund eines Fundes nicht konkret daher leiten.

Zum Schluss möchte ich noch Otto Schäfer zu den Schanzen zitieren: "Vorerst sind und bleiben die "Alten Schanzen", was sie durch Jahrhunderte schon waren: ein eindrucksvolles ungelöstes Rätsel aus alter Zeit und Zeuge umfangreicher menschlicher Tätigkeit vor vielen hundert Jahren."