Ein Schmuckstück aus der Spätlatenezeit

 

In  der Publikation "hessen Archäologie 2012" ist auf Seite 89 ein interessanter Artikel von Sabine Schade-Lindig, über den Fund eines bronzenenen Anhängers, den man in der oberen Grabenverfüllung der "Alten Schanzen"  angetroffen hat.

 

"Es handelt sich um einen "Ampelanhänger" mit Noppen, dessen Parallelen eine Einordnung der seltenenen Fundgruppe weder in die Neuzeit noch ins Mittelalter, sondern wohl am ehesten in die Spätlatenezeit nahelegene. Die Grundform bildet ein durchbrochener eiförmiger Hohlkörper mit einer Öse zur Aufhängung. Ein breiter horizontaler Mittelstreifen wird an beiden Rändern jeweils von einer Noppenreihe gesäumt; es folgt beiderseits der zentralen Zone zunächst jeweils eine Reihe kreisförmiger Durchbrechungen, dann jeweils eine weitere Noppenreihe. Zu den Abschlüssen des Anhängers hin laufen schließlich jeweils vier breite vertikale Stege pyramidenförmig zusammen, wobei in den jeweiligen Zonen vier dreieckige Aussparungen zu beobachten sind. Die zur Öse gerichteten oberen Stege sind mit quer verlaufenden Ritzlinien verziert, unten fehlen solche Ornamente. Am unteren Ende des Korpus sind zwei kleine rundstabige Fortsätze zu erkennen, die voneinander abgewinkelt frei abstehen."

("hessen Archäologie 2012"  S. 90). Die nachfolgende Abbildung des Fundstücks ist ebenfalls aus dem genannten Buch, S. 90.

Abbildung aus "hessen Archäologie 2012" Seite 90

 

S. Schade-Lindig führt weiter auf S. 92 aus: "Natürlich ist die geringe Ausbeute an Vergleichsmaterial nicht zufriedenstellend, zumal die Frage, wie der Mittenaarer Anhänger in den Graben der neuzeitlichen Schanze ("neuzeitlich" was bisher wissenschaftlich meines Wissens nach noch nicht fundiert geklärt ist, der Autor) gelangte, ungeklärt bleibt. Ginge man von einer älteren spätlatenezeitlichen Wall-Graben-Anlage aus, die von der neuzeitlichen Schanze überlagert wird, so müssten sich dort zumindest einige wenige Keramikfunde aus keltischer Zeit namhaft machen lassen. Jedoch brachten intensive Begehungen der Bicker Schanzen, wie sie im Fall vieler keltischer Anlagen durchgeführt worden sind, keine Ergebnisse. Damit kommt eine entsprechende Vorbesiedlung nach derzeitigem Kenntnisstand nicht in Betracht.

 

Vermutlich wird es sich um einen Verlustfund im Siedlungsumfeld des Oppidum auf dem Dünsberg handeln.... Das kleinformatige Stück könnte beim Reiten unbemerkt verloren gegangen und im Waldboden liegen geblieben sein. Demzufolge gelangte der Anhänger, als an der betreffenden Stelle später ein Wall-Graben-Werk errichtet wurde, mit in die Wallaufschüttung. Aufgrund von Erosion und Rückearbeitn fiel er dann auf die Grabenverfüllung herab, wo er entdeckt wurde. Dass sich darunter eine ungestörte Grube befand, ist auszuschließen, da das Stück im Schwemmhorizont der Grabenverfüllung lag; ansonsten hätte er tiefer liegen müssen. Es erscheint unwahrscheinlich, dass den neuzeitlichen Schanzen eine keltische Wallanlage zum Opfer fiel. In einem solchen Fall wäre viel Erdmaterial verlagert worden und damit der übrige Siedlungsmüll unweigerlich zutage getreten.

 

Einen letzten Anhaltspunkt bietet der Straßenverlauf des heutigen "Rennweges". Vielleicht verlief schon während der Eisenzeit ein Weg über die Anhöhe der Hörre, sodass der Verlust des Anhängers auf einen vorüberziehenden Reiter zurückzu-führen sein könnte."

 

Ich finde die Rückschlüsse und Thesen zum Fund und speziell auch zu den "Alten Schanzen" sehr interessant und diese geben uns weitere interessante Aspekte und Erklärungsmöglichkeiten zu dieser Anlage.

 

Zum Schluss möchte ich noch Otto Schäfer zu den Schanzen zitieren: "Vorerst sind und bleiben die "Alten Schanzen", was sie durch Jahr- hunderte schon waren: ein eindrucksvolles ungelöstes Rätsel aus alter Zeit und Zeuge umfangreicher menschlicher Tätigkeit vor vielen hundert Jahren."