Die Landhege in der Hörre - Eine mittelalterliche Grenzbefestigung

Die Landhege in der Hörre ist eine mittelalterliche Grenzbefestigung , wie sie damals vielfach benutzt wurde, um die Grenzen zwischen den einzelnen Ländern, Grafschaften und Fürstentümern zu sichern. Durch die starke Befestigung mittels Hecken und Büschen war es nahezu unmöglich ausser an den dafür vorgesehenen Stellen und Tore diese Barrire zu passieren. Neben dem militärischen Schutz boten die Landhegen auch die Möglichkeiten Reisende zu kontrollieren und Zölle von Fuhrleuten zu erheben, z.B. für das weiße Gold der damaligen Zeit, für das Salz.

 

In der Hörre kann man die Landhege, die von der Gellenbachmühle bei Bischoffen mit dem Stein Nr 1 beginnt bis zur Dill bei Katzenfurt teils noch sehr gut erkennen. Da diese meist quer durch den Wald verläuft und oft keine freien Wege zur Verfügung stehen, ist es aber nur sehr schwer möglich, die komplette Landhege in der Hörre abzugehen. Im Bereich des Hörrkopfes kann man die Gräben der Landhege noch sehr gut erkennen und Ihnen entlang der Grenzsteine, die dann in späteren Jahren die Grenze deutlich markierten, vom Stein Nr. 19 - Stein Nr. 23 folgen. Um die Dimension der Landhege deutlich zu machen, baut die AG Landhege eine Schauanlage auf einem ehemaligen Teil wieder nach. Dem Voraus ging eine Ausgrabung unter Leitung des Archäologen C. Röder, Lich.

 

Folgend noch einge allgemeine Infos zu Landwehren (Landhegen).

 

Landwehren und Warten

 

Seit dem 13. Jahrhundert, vor allem aber im 14. und 15. Jahrhundert (dem späten Mittelalter), bauten hauptsächlich Städte in ihrem Vorfeld oder Landesherrschaften an ihren Grenzen Landwehren.Dies waren kürzere oder längere, linear verlaufende defensive Grenzbefestigungen, meist bestehend aus mindestens einem hohen Wall mit einer undurchdringlichen Hecke und einem tiefen Graben, eher zwei beiderseits liegenden tiefen Gräben. Nicht selten waren es zwei oder sogar mehrere nebeneinander liegende Wälle mit entsprechend vielen Gräben. Manchmal waren Landwehren nur wenige hundert Meter lang und riegelten z. B. ober- und/oder unterhalb einer Stadt ein Tal zwischen dem Fluss und dem ansteigenden Hang quer ab, manchmal gab es mehrere vom Gelände her notwendige Strecken, manchmal waren Landwehren viele Kilometer lang.

 

Die Landwehren besaßen überwachte Durchlässe, die mindestens mit einfachen Schlagbäumen gesichert waren, manchmal sogar mit steinernen Toren. Die großartigste Landwehr in Hessen, das fast 40 km lange Rheingauer Gebück, das den kurmainzischen Rheingau schützte, besaß nicht nur einen Graben und das bis zu 50 m breite eigentliche Gebück, meist aus ineinander verflochtenen Hainbuchen, sondern an den traßendurchlässen feste, aus Steinen gemauerte Bollwerke, darunter als einziges bis heute erhaltenes die 1494 gebaute Mapper Schanze bei Kiedrich (Rheingau-Taunus-Kreis).

 

Eine Landwehr war in der unruhigen Fehdezeit des Spätmittelalters eine wirksame Sperre gegen feindliche Einfälle, ein Schutz gegen das Rauben von Vieh und Vorräten und die Verwüstung von Höfen und Feldern. Sie zwang den Kommenden hin zu den überwachten Durchlässen. Daneben bildeten Landwehren eine sichtbare Rechtsgrenze. Meist haben die Landwehren im 16. Jahrhundert ihre Funktion verloren, das Rheingauer Gebück wurde sogar erst 1771 aufgegeben. Seither sind sie im Offenland in der Regel eingeebnet worden und haben dort allenfalls Flurnamen wie „Vor der Landwehr“, „Auf der Landwehr“, „Hinter der Landwehr“, „Landwehrgraben“, „Landheeg“ oder „Lambert“ hinterlassen. An Stellen ehemaliger Durchlässe findet man z. B. „Am Schlag“.

 

Im Wald, wo uns solche Namen ebenfalls begegnen können, haben sich die Landwehren hingegen oft gut erhalten. Aber auch hier sind sie durch längsseitiges Abgraben der Wälle entlang von Waldwegen, Durchbrechen oder flächiges Einebnen der Wälle und durch Ablagerungen von Schlagreisig und Wurzelstöcken in den Gräben oder gar durch deren Verfüllen mit Erdaushub gefährdet. Zu den Landwehren gehörten oft Warten, also steinerne Beobachtungstürme, von denen aus der Wächter das Vorfeld überblicken und beim Herannahen von Gefahr Signale zurück zum Turmwächter der Stadtkirche senden konnte. Manche Steinwarte steht heute noch als Baudenkmal in der Landschaft.

 

Die meisten sind abgetragen worden und ihre Standorte nun Bodendenkmäler. Oft finden sich Mörtelspuren oder sogar noch Mauerwerksreste, vielfach auch Hügel (Warthügel) oder nur noch die ringförmigen Gräben und Außenwälle, mit denen die Warten umgeben gewesen sein können, manchmal auch Spuren einer Ringmauer.

 

(Quelle: Archäologie im Wald - Erkennen und Schützen von Bodendenkmälern von
 Klaus Sippel Landesamt für Denkmalpflege Hessen und Ulrich Stiehl Forstdirektor a. D.
 Herausgegeben vom Landesbetrieb HESSEN-FORST Kassel 2005