Hügelgräber am Rennweg


Nach der Meinung von Experten hat der Rennweg im Mittelalter stetig an Bedeutung als Reise- und Handelsweg gewonnen. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass nicht schon lange vorher hier Menschen siedelten oder auch diesen Höhenkamm als Reiseroute nutzten. Seit einigen Jahren ist ja bekannt, dass auch in der Frühgeschichte unsere Vorfahren schon regen innereuropäischen Handel betrieben, z.B. durch Funde in den Oppiden am Dünsberg und am Glauberg.

Einen weiteren Beweis, dass die Hörre schon vor Jahrtausenden die Menschen angezogen hat, finden wir nun nur wenig ostwärts der Münch-Eiche, direkt am Rennweg.

 

Dem geschulten Auge von Otto Schäfer, dem Ballersbacher Heimatforscher, waren schon lange die Hügel rechts des Rennweges aufgefallen, und er hatte bereits früh die Vermutung geäußert, dass es sich hier um ein Gräberfeld handeln könnte. Die Reaktionen auf seine Mutmaßungen waren aber eher zurückhaltend. Das ließ aber einem Mittenaarer geschichtlich interessierten Bürger keine Ruhe.

 

Er forschte mit Hacke und Schippe nach und siehe da, er hatte Glück und fand auf Anhieb in einem der Hügel in weniger als einem Meter Tiefe die Scherben eines schnurkeramischen Bechers, den Archäologen später dann in die zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. datierten. Als unser Hobby-Archäologe seinen Fund pflichtgemäß an das Landesamt für Denkmalschutz meldete, kam die Sache in Bewegung. Fachleute des Amtes, die das Areal daraufhin näher erkundeten, erkannten sechs Grabhügel mit Durchmessern von 15 bis 20 m und einer Höhe bis zu einem Meter. Leider waren da aber schon zwei der Gräber durch den Wegebau mit großem Gerät angeschnitten und weitgehend zerstört.

 

Die folgenden fachgerechten Ausgrabungen im Sommer 1983 am selben Grab, in dem auch der Becher gefunden worden war, brachten jedoch keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Waren Raubgräber hier vielleicht schneller gewesen? (aus Heimatnachrichten von Aar und Siegbach, Ausgabe 2008, Herausgegeben vom Arbeitskreis Heimatgeschichte Ballersbach, HG Peter, Ballersbach).

 

In der Vergangenheit ging man davon aus, dass ndie Schnurkeramiker ein Nomadenvolk waren, welches sich aus Osteuropa aus nach Mitteleuropa verbreitete. Im Gegensatz zu vielen anderen Bevölkerungsgruppen gab es nur wenige Siedlungsfunde. Das Fehlen an Siedlungsfunden ließ zunächst auf eine nomadische Lebens- und Wirtschaftsweise ihrer Träger schließen. Bis heute sind Siedlungen gegenüber Gräberfeldern unterrepräsentiert, obwohl inzwischen klar ist, dass sich die Wirtschaftsweise der Schnurkeramiker nicht von anderen spät- und endneolithischen Kulturen unterscheidet. Seit einigen Jahren belegen vermehrte Siedlungsfunde (u.a. Hausgrundrisse, Brunnenfunde) und Hinweise auf die Wirtschaftsweise (Getreidekörner, Abdrücke von Nutzpflanzen in Keramikgefäßen, Knochenfunde, Pflüge, Rindergespanne, Scheibenräder etc.), dass die Träger der Schnurkeramik sesshaft waren und Ackerbau und Viehzucht betrieben. (Quelle: Wikipedia 14.10.14).

 

Schon im Heimatjahrbuch von 1971, S. 41ff. weist Otto Schäfer in der Karte unter Pkt. 23 auf die Hügelgräbergruppe (5 Hügel) hin und datiert diese (wahrscheinlich) auf späte Bronzezeit und weist auf die Gräber von Bermoll hin.



Beispiel Aufbau eines bronzezeitlichen Hügelgrabes